Warum ist es so schwer, einen Impfstoff für die Event-Krise zu entwickeln?

Georgi Musev

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In der aktuellen Event-Krise verhält es sich mit der Digitalisierung genauso wie mit dem Impfstoff in der Corona Krise:

1. Es gibt viele Ideen, aber keine definitive Lösung.
2. Es muss noch viel entwickelt und getestet werden.
3. In diesem Jahr erwarten die Experten trotz großer Hoffnung noch keine finale Lösung.

Natürlich behaupten viele, sie hätten schon den Stein der Weisen gefunden. Einige digitalisieren dafür Eventräume in 3-D, denken Events in Videokonferenzen um oder bieten 3-D-Messestände zum Durchklicken an und behaupten, das sei ein digitales Event. Doch guckt man sich das Ergebnis genauer an, entsteht trotz manchmal sogar interessanten Ansätzen ein komisches Bauchgefühl: Etwas fehlt immer – der Wow-Effekt oder die Story oder die menschliche Dimension oder das Markenerlebnis oder alles gleichzeitig.

Ich muss natürlich zugeben: Auch ich habe aus dem Stehgreif keine bessere Lösung. Wir arbeiten selbstverständlich fieberhaft an einem lebendigem 3-D-Raum mit toller Kommunikation, aber auch wir sind noch nicht zufrieden. Das erste Ergebnis der Arbeit unseres 12-köpfigen Spezialistenteams aus mehreren Firmen war deshalb auch erst einmal die Erkenntnis, dass es unglaublich schwer ist, unsere geliebten Events zu digitalisieren.

Aber warum ist es so schwer, Events zu digitalisieren?

Als klassischer Skizzennerd habe ich versucht, dieses Problem auf einem Blatt zu visualisieren. Es ist immerhin ein Anfang, den ich mit Ihnen teilen will.

Die kurze Antwort auf die obere Frage ist: Digitale Medien müssen mit Leben gefüllt werden und das in verdammt vielen Dimensionen. Dazu braucht man sehr unterschiedliche Talente aus verschiedensten Bereichen und Gewerken. Was dabei herauskommen wird, ist kein Event wie früher „nur halt im Internet“, sondern etwas Neues .

So jetzt zur komplizierten Antwort. Die Dimensionen, die für ein tolles Event aus meiner Sicht digital mit Leben gefüllt werden müssen, sind (welche Gewerke, Tools und Technik dafür notwendig ist, sehen Sie in der Zeichnung):

Brand Fascination, meint: ein konsistentes Markenerlebnis – auch im virtuellen Raum. Es hat für den Übergang einen gewissen Charme vier verschiedene Gesichter in ihren Privaträumen zu sehen. Aber irgendwann wollen die Kunden ihren Gäste in ihrem eigenem, digitalen Raum empfangen und Ihnen ein Erlebnis bieten, an das sie sich gerne erinnern.

Innovation Live Show, meint: ein Leader, meist der CEO präsentiert persönlich seine Message, immer mit dem Risiko, das etwas schief gehen kann, weil live. Das ist virtuell ungemein schwerer zu transportieren als auf echten Live-Events mit Publikum. Wie hilft man dem Leader, den Funken wieder auf das Publikum überspringen zu lassen?

Product Presentation, meint: ein Produkt durch lebendige Stories interaktiv in Szene zu setzen. Die Frage ist: Wie bringen wir die Interaktion mit dem echten Produkt wieder ins digitale Event zurück? Hier steigen im Vergleich zu früher die Ansprüche an die Präsentation.

Human Dialog, das A und O eines jeden Events. Denn jede Show ist nur ein Gesprächsanlass. Jeder Vortrag eine Networking-Opportunity. Die wahren Deals und die Imagebildung finden vor, während und nach der Show statt. Der diskrete After-Drink ist dabei genauso wichtig, wie der öffentlich geführte Social Media Dialog. Wie ermöglichen wir intuitives Miteinander im virtuellen Raum und wie schaffen Zwischenräume für Begegnungen?

Real Experience, das knappste Gut der Covid-Ära. Die Erinnerung wird durch die Kombination von virtueller Brillanz und haptischer Erfahrung gespeist. Will sagen: ein Sekt-Anstoß-Emoticon zu schicken, ist nicht das gleiche, wie mit einem Sekt anzustoßen. Aber was machen wir jetzt? Ein Fest für Kreative: Schicken wir einen exklusiven Teil der Kollektion auf einem Minilaufsteg vorab nach Hause? Oder ein Sekt als Eisbrecher vorab per Amazon? Ganz konktaktfrei geht es leider nicht: Echtes Berühren hat seinen ganz eigenen Zauber.

Customer Engagement, meint: Die Kunst, den Kunden auch in der digitalen Welt persönlich entlang der kompletten Erlebniskette zu begleiten. Sales-Webinare als Frontalunterricht sind vielleicht ein notwendiges Instrument. Sie funktionieren aber nur dann gut, wenn sie in andere Dialogformate eingebettet sind. Das fängt bei der Einladung an und hört beim Follow-up nach dem Event bestimmt nicht auf.

Wir können keine Dimension auslassen

Leider müssen wir hier ganzheitlich Denken. Es gibt aus unserer Sicht keinen Shortcut, der nachhaltig ist. Keine Dimension sollte bei einem digitalen Event zu kurz kommen. Wir brauchen eine wohltemperierte Kombination aus Eventplanung, Brand Architecure, Medienproduktion, Technik und Software. Uns ist bisher keine befriedigende Lösung für diesen Mix bekannt. Falls Sie eine kennen oder eigene Gedanken dazu haben, freue ich mich auf Kommentare und kreativen Austausch.

Wir haben uns mit einem großen Team vorgenommen, einige dieser Probleme zu lösen. Aber den wahren wahren Impfstoff gegen die Event-Krise finden wir nur gemeinsam. Deswegen freuen wir uns über Mitstreiter. Die Transformation der Eventbranche wird jedenfalls nicht aufhören, wenn der Impfstoff gegen das Coronavirus entdeckt ist.

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